Share on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestEmail to someoneshare on Tumblr

Janesh Vaidya ist Experte für die Ernährung nach ayurvedischen Prinzipien. Er wurde in Südindien geboren und entstammt einer Familie traditioneller Ayurveda-Ärzte. Die Vaidyas gelten seit Urzeiten als die Väter des Ayurveda.

Seit 600 Jahren praktiziert meine Familie in unserem Dorf Ayurveda. Laut den Daten der staatlichen Volkszählung gehören wir zu insgesamt 31 Vaidya-Familien im heutigen Indien.

Im Jahr 2010 veröffentlichte Janesh sein erstes Buch. Darin erklärt er die uralte Weisheit des Lebens, wie Ayurveda auch bezeichnet wird, in einer für westliche Leser nachvollziehbaren Weise. Später folgten ein Yoga-Buch und ein Kochbuch mit dem Titel „Essen ist meine Medizin“. Darin geht es darum, wie man für jeden Gesundheitszustand eine individuelle Ernährung mit entsprechenden Rezepten zusammenstellen kann. In diesem Jahr veröffentlichte er sein zweites Buch mit dem Titel „Rezepte aus meinem Dorf“. Rituals sprach mit ihm über seine besonderen Rezepte, seine Forschung und Erfahrung mit der Esskultur auf der ganzen Welt und die eigenen ayurvedischen Rituale.

Wann begannen Sie sich für Ayurveda zu interessieren und wie kam es dazu?

Meine Ayurveda-Ausbildung begann mit meiner Großmutter, die auch eine Gifttherapeutin ist. Während meiner Teenagerzeit setzte ich meine Ausbildung in Vedanta, vedischer Astrologie, Numerologie, Yoga, Tantra und Meditation bei verschiedenen Lehrern in Indien fort.

Ayurveda ist ein großes Fachgebiet und selbst nach drei Jahrzehnten der Praxis stehe ich mit dem wenigen Wissen, das ich besitze, noch immer an den Ufern dieses weiten Ozeans – wie ein kleines Kind, das ein paar Muscheln in der Hand hält. Daher habe ich mein zweites Buch „Die mentale Kraft des Ayurveda“ meinem Großvater gewidmet, der mehr als 80 Jahre Ayurveda praktizierte. In seinen letzten Worten sagte er, dass er glücklich sei, als Student des Ayurveda gelebt zu haben und zu sterben.

Was würden Sie Menschen raten, für die Ayurveda etwas völlig Neues ist, es aber ausprobieren möchten?

Zunächst müssen sie verstehen, dass Ayurveda ein vollkommen natürliches Gesundheitskonzept ist. Es geht nicht um das Einnehmen von Kräuterpillen und Massagen, wie viele denken. Ayurveda ist ein ganzheitlicher Ansatz und mithilfe seiner Werkzeuge lassen sich alle vier Ebenen unserer Gesundheit – die körperliche, geistige, sinnliche und spirituelle – untersuchen und verbessern.

Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass wir alle Schüler des Ayurveda sind und letztlich die Natur unser Guru ist. Alle Erfahrungen, die wir im Alltag machen, sind Lektionen des Lebens. Daher sollten wir das Studium von Ayurveda als lebenslanges Lernen betrachten und daran arbeiten, uns weiterzuentwickeln. Von kleinen Fehlern und langsamen Fortschritten sollten wir uns nicht frustrieren lassen. Stattdessen sollten wir uns daran erinnern, welche Mission und Vision wir für unser Leben haben.

Im Jahr 2013 haben Sie ein Buch mit dem Titel „Essen ist meine Medizin“ veröffentlicht. Können Sie uns etwas über das Buch erzählen und was Sie zu diesem Titel inspiriert hat?

Die Botschaft des Buches lautet: „Wenn die Natur dich erschaffen kann, kann sie dich auch heilen“. Verschaffe der Heilung Zutritt zu deinem Körper mithilfe natürlicher Ernährung. Vergiss nicht, dass dein Mund die Pforte für Gesundheit und Krankheit ist. Halte jedes Mal, bevor du etwas zu dir nimmst, kurz inne und überlege: Esse ich, um zu leben oder um zu sterben? Auf diese Weise gelangt man zu einer Antwort.

Mit jeder Mahlzeit, die wir im Laufe des Tages zu uns nehmen, erhalten wir die einmalige Möglichkeit, unsere Medizin zu essen. Nur so können wir die heilenden Eigenschaften der Natur in uns aufnehmen. Wenn wir Junkfood essen, sollten wir daran denken, dass wir damit die Chance verpassen, unserem Körper etwas Gutes zu tun.

Viele Bereiche des Ayurveda fokussieren sich auf die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Haben Sie einige allgemeine Ernährungstipps für alle drei Typen?

Beginne den Tag stets mit einem Glas Wasser am Morgen. Vermeide generell Nahrungsmittel und Getränke, die dein Blut „vergiften“ wie Industriezucker, Koffein, Nikotin und Alkohol. Versuche, künstliche Süß-, Farb- und Zusatzstoffe sowie genetisch veränderte Organismen (GVO) zu meiden. Und, last but not least: Reduziere oder vermeide tierische Nahrungsquellen und halte dich an eine reine und gesunde Ernährung auf pflanzlicher Basis.

Ihr neuestes Buch „Rezepte aus meinem Dorf“ enthält über 100 vegetarische Rezepte. Warum ist die vegetarische Ernährung so wichtig im Ayurveda? Ist Vegetarier zu sein eine Voraussetzung oder können auch Fleischesser mitmachen?

Ayurveda – die natürliche Wissenschaft vom Leben – kann jeder praktizieren. Für ein optimales Ergebnis müssen wir jedoch medizinisch wirksame Nahrungsmittel direkt aus der Natur essen. Dabei handelt es sich um eine Ernährung auf pflanzlicher Basis. Sie können selbst entscheiden, ob Sie in Ihrem Alltag gesunde oder ungesunde Angewohnheiten zulassen.

Können Sie uns etwas über Vaidya’s Ayurveda Village erzählen? Welche Rolle spielen Nahrungsmittel in den Zentren?

Vaidya’s Ayurveda Village befindet sich an der Küste des Arabischen Meeres in Südindien. Die Gesundheitszentren bieten in erster Linie reinigende und verjüngende Programme an. Während sich die 2- bis 3-wöchigen Programme auf die Reinigung von Körper und Geist konzentrieren, zielen die 4- bis 6-wöchigen auf die Verjüngung von Körper und Geist ab. Vor der Ankunft bereiten wir Kräuter und Öle zur Behandlung verschiedener Symptome und gesundheitlicher Probleme vor. Bei der Ankunft diagnostiziert unser Chefarzt den Gast und entwirft ein Behandlungsprogramm entsprechend den vorhandenen, vorherrschenden Symptomen.

Das Programm umfasst tägliche Ayurveda-Behandlungen und Kräuteranwendungen, eine individuell abgestimmte Ernährung auf pflanzlicher Basis und eine umfangreiche Yoga-Therapie. Jeder Gast kann zudem an Meditationskursen, Psychologie-Workshops, Ayurveda-Kochkursen und indischem Tanztraining teilnehmen. Wir verwenden hauptsächlich regional angebautes Gemüse, um auch die Bauern zu unterstützen und auf biologische und reine Nahrungsmittel aus der Natur zurückgreifen zu können. Wir betrachten die Naturmedizin als einen der wesentlichen Faktoren im Heilungsprozess von Körper und Geist.

Welches Ihrer täglichen Ayurveda-Rituale halten Sie für das wichtigste und warum?

Ernährung spielt definitiv die wichtigste Rolle im Leben jedes Menschen. Wenn man gesunde und reine Nahrungsmittel zu sich nimmt, dann unterstützt alles andere, was man im Leben tut, die Gesundheit und ermöglicht uns, unser maximales Potenzial auszuschöpfen.

Wenn Sie etwa Alkohol trinken, sollten Sie während der nächsten 48 Stunden kein Yoga praktizieren, da Ihre Leber Zeit benötigt, um den Alkohol abzubauen. Wenn Sie freitags Alkohol trinken und samstags Yoga praktizieren, verstärken Sie den Druck auf Ihr System, denn es transportiert das mit Alkohol verunreinigte Blut in Ihre Körperzellen, was schädlich für den Körper ist. Yoga unterstützt unseren Blutstrom, indem es die Durchblutung verbessert. Dies ist jedoch nicht sinnvoll, wenn das Blut verunreinigt ist. Daher sollten Sie, bevor Sie mit anderen Gesundheitspraktiken in Ihrem Leben beginnen, zunächst bei den Nahrungsmitteln und Getränken ansetzen. Essen Sie frisch, denken Sie klar und leben Sie clean.

Was ist Ihr Lieblingszitat?

Ein gutes Leben bedeutet, zu sich selbst, seinem Körper und Geist gut zu sein.

This post is also available in: Englisch Holländisch Spanisch Dänisch Französisch Norwegisch (Buchsprache) Portugiesisch, Portugal Schwedisch

Leave a Comment

Error: Please check your entries!