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In den letzten 25 Jahren ist die Beliebtheit von Tattoos weltweit förmlich explodiert. War es früher sonderbar, ein Tattoo zu Augen zu bekommen, so ist es heute eine Seltenheit, untätowierte Haut zu sehen. Aber die traditionelle Art der Tätowierungen ist keineswegs eine neue Modeerscheinung, wie man vielleicht denken könnte.

Die Haut mit permanenten Tattoos zu verzieren ist eine uralte Praxis, die mehrere tausend Jahre zurückverfolgt werden kann und in verschiedensten Kulturen der Antike ausgeübt wurde. Geschichtlich gesehen haben Menschen überall auf der Welt ihre Haut aus unterschiedlichen Gründen geschmückt: Um ihre soziale Stellung deutlich zu machen, in religiösen Riten, aus ästhetischen Gründen, zum Schutz, um magische Kräfte zu erlangen, um Krankheiten zu heilen oder Schmerz zu vertreiben. Häufig wurde (und wird) diese Art der kunstvollen Körpergestaltung von verschiedenen Stämmen in Initiationsriten, vom Übergang ins Erwachsenenalter oder um anderen wichtigen Ereignissen im Leben zu gedenken, durchgeführt.

Das Wort Tattoo kommt von dem samoanischen Begriff Tatau, was soviel bedeutet wie etwas hineinschlagen/stoßen. Inspiriert durch Stammes-Tätowierungen ließen die Seeleute auf Captain Cooks Südpazifik-Expeditionen die Kunst, Haut mit Nadeln zu bemalen in Europa wieder aufleben. Doch für lange Zeit waren Tattoos nur Seeleuten und Mienenarbeitern vorbehalten. Das könnte mit den Gefahren ihrer Berufe zusammenhängen. Vielleicht trugen sie ihre Tätowierungen wie eine Art Talisman, der sie beschützen sollte.

GESCHICHTE

Das älteste Tattoo stammt aus der Bronzezeit und ziert den Körper von „Ötzi“, der europäischen Gletschermumie. Der tätowierte Mann ist ungefähr 5500 Jahre alt und wurde 1991 in den Tiroler Alpen gefunden. Er ist bislang der älteste Mensch, auf dessen mumifizierter Haut Tattoos mit medizinischer Bedeutung entdeckt wurden. Auch auf den Überbleibseln der sibirischen Prinzessin Ukok, die ebenfalls in den 90er Jahren allerdings im Altai Gebirge gefunden wurde, sind Tätowierungen zu sehen. Diese weisen jedoch auf Ukoks gesellschaftlichen Status hin, der auch durch die Gegenstände, Tiere und Krieger untermauert wird, die zusammen mit ihr begraben wurden um sie bei der Reise ins Jenseits zu beschützen. Alte Tätowierungen an Mumienfunden sind jedoch nicht die einzigen Zeugen dieser langen Tradition. Auch Werkzeuge, die zur Herstellung von Tattoos benutzt wurden, sind an verschiedenen Orten ausgegraben worden.

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Tätowierungen an Handgelenk und Finger auf dem mumifizierten Körper der sibirischen Prinzessin Ukok.

DIE PRAXIS

Tätowierungen die auf mumifizierter Haut gefunden wurden, belegen, dass damals Ruß oder Asche von verbrannten Pflanzen verwendet wurde, um die Zeichnungen zu kreieren. Mit Nadeln aus Tierknochen wurden Einstiche in die Haut eingearbeitet. Anschließend wurde die schwarze Asche in die Einstichstellen gerieben. In Asien bestanden die Nadeln häufig aus Bambus. Wenn Du bedenkst, wie alt die Kunst des Tätowierens ist, dann ist es erstaunlich, wie wenig sich diese Kunst in der Praxis seitdem verändert hat.

SCHUTZ-TATTOOS

Bei den Nubiern, die im Süden von Ägypten lebten, wurden Tattoos meistens nur an Frauen gefunden. Im Alten Ägypten war ein Muster aus Punkten auf dem Unterleib von Frauen recht verbreitet. Wahrscheinlich sollten diese Tätowierungen Frauen während der Schwangerschaft und bei der Geburt beschützen. In Indien wird häufig ein Punkt, der einem dunklen Muttermal ähnelt, auf die Stirn tätowiert um böse Blicke abzuwehren.

DIE BEDEUTUNG VON TATTOOS IN VERSCHIEDENEN KULTUREN

Die alten Griechen und Römer nutzten Tätowierungen, um kenntlich zu machen, wer welcher religiösen Sekte angehörte und um Sklaven und Kriminelle zu stigmatisieren. Letztere zählten wahrscheinlich nicht zu den begehrtesten Tattoos.

Eine völlig andere Bedeutung hatten Tätowierungen bei den Skythen und Thraker.Hier zeugten Tattoos von einem hohen sozialen, adeligen Rang. Nachdem die Samurai in Japan gezwungen wurden, ihre Funktion als Kämpfer aufzugeben, eigneten sie sich die Kunst des Tätowierens an. Die Tattoos ersetzten nun die Rüstung, die sie nicht mehr tragen durften.

Im alten China galt das Tattoo, oder Wen Shen, als barbarisch und wurde sicherlich nicht als verschönernde Kunst betrachtet. In historischen, chinesischen Texten werden Tätowierungen im Zusammenhang mit Kriminellen und Verbrechern genannt. Scheinbar war es weitverbreitet, das Wort Gefangener auf die Gesichter von verurteilten Kriminellen zu tätowieren.

In Papua-Neuginea bekommen Mädchen ihr erstes Tattoo im Alter von 5 Jahren. In jedem folgenden Jahr werden weitere Verzierungen hinzugefügt. Erreichen sie ihr 21. Lebensjahr, so wird ihnen ein großes V-förmiges Symbol über den Brustkorb tätowiert um sie als heiratsfähig zu kennzeichnen.

MAORI TÄTOWIERUNGEN

Für die Maori, das indigene Volk Neuseelands, ist das Gesicht der wichtigste Teil des Körpers. Deshalb sind bei ihnen Gesichtstattoos, sogenannte moko, ein Zeichen von einem hohen sozialen Rang. Jede Tätowierung war und ist einzigartig und wird individuell angefertigt. Die Gesichtstattoos von Männern beinhalten Informationen über deren Status, Rang, Abstammung und Begabungen – fast wie eine Art Ausweis. Die Maori erhalten ihre Tätowierungen in verschiedenen Lebensabschnitten, wie ein Übergangsritual von einer Phase in die nächste oder um attraktiver auf das andere Geschlecht zu wirken. Maorifrauen tragen Tattoos häufig um Nase und Lippen. Das dient jedoch rein ästhetischen und kosmetischen Zwecken und soll gegen Falten schützen, damit die Maorifrauen länger ihr junges Aussehen bewahren.

MAori Tattoo Rituals Blog

HEILENDE TATTOOS

Neben all den bisher genannten Bedeutungen von Tattoos spielt auch der Heilungsaspekt in einigen Tätowierungs-Ritualen eine wichtige Rolle. Eventuell hat sogar die Akupunktur ihre Wurzeln in der Kunst des Tätowierens. An einer über 2500 Jahre alten peruanischen Mumie haben Wissenschaftler komplizierte Kreismuster an Hals und Rücken gefunden. Diese Stellen gelten laut TCM (Traditioneller Chinesischer Medizin) als wichtige Akupunkturpunkte zur Linderung von Schmerzen.

MODERNE TÄTOWIERUNGEN

Tattoos gibt es seit mehreren tausend Jahren und wie es aussieht, werden sie uns auch noch für eine Weile erhalten bleiben. Ob als Ausdruck der eigenen Individualität wie es heutzutage in westlichen Gesellschaften oftmals der Fall ist, als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder um ein spezielles Ereignis festzuhalten: Sich Tätowieren zu lassen ist ein nahezu spirituelles Ritual, das ein gewisses Maß an körperlichem Schmerz erfordert – als Tausch für ein Schönheitsmal. Man könnte beinah sagen, dass der menschliche Körper zur lebenden Leinwand geworden ist auf der Du Deine persönliche Spur hinterlässt um die Kostbarkeit Deines Lebens zu bezeugen.

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